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RCS for Business: Was Marken senden dürfen

Nils Spölgen3. November 20267 Min. LesezeitZuletzt geprüft: November 2026
Keaz Cover: was ein RCS-for-Business-Agent senden darf und welche Freigabe er braucht

Kurz zusammengefasst

Was ein RCS-for-Business-Agent senden darf, die vier Use Cases, wie Brand-Verifizierung und Launch-Freigabe laufen – und wo RCS neben WhatsApp steht.

RCS for Business ist kein Schalter, den du umlegst. Es ist eine Freigabe-Warteschlange. Bevor eine einzige Nachricht rausgeht, legst du einen von vier Use Cases fest, durchläufst die Brand-Verifizierung und holst dir pro Netzbetreiber eine Launch-Freigabe. Diese Prüfung bestimmt deinen Zeitplan, nicht die Technik.

  • Vier Agent-Use-Cases — OTP, Transactional, Promotional, Multi-use — jeder mit eigenen Regeln, was du senden darfst (Google, RCS-for-Business-Dokumentation, abgerufen am 3. November 2026).
  • Google-gemanagte Launches dauern 1–3 Werktage — aber nur, wenn die Brand-Freigabe binnen 24 Stunden zurückkommt und alle Assets stehen (gleiche Quelle).
  • Eine Rich Card fasst bis zu 200 Zeichen Titel, 2.000 Zeichen Beschreibung und 4 Vorschläge in 250 KB Payload; ein Karussell bis zu 10 Karten.

Was ist RCS for Business – und wer darf es nutzen?

RCS ist der von den Netzbetreibern standardisierte Nachfolger der SMS — Gruppenchat, Tippanzeige, Lesebestätigungen, echte Medien. Das Universal Profile der GSMA hält das über Netze und Geräte hinweg kompatibel (GSMA, Rich Communication Services, abgerufen am 3. November 2026).

RCS for Business ist die kommerzielle Schicht darüber — so heißt in Googles aktueller Dokumentation das, was ältere Texte noch RBM nennen. Eine Marke sendet nicht wie bei SMS von einer Nummer, sondern über einen Agent, und die Richtung ist festgelegt: Googles eigene Beschreibung der Funktionsweise hält fest, dass der Agent Gespräche eröffnet und Nutzer keins starten können (abgerufen am 3. November 2026). Antworten darf die Kundin jederzeit — aber erst, nachdem du den Thread geöffnet hast.

Und du meldest dich nicht als Shop an. Der Zugang läuft über registrierte Partner, Google steuert das über ein Partner-Interessenformular. Für einen inhabergeführten Shop heißt das: RCS bringt dir ein Anbieter, du schaltest es nicht selbst frei — dieselbe Form wie bei der WhatsApp Business Platform, wo auch die Flows und Growth-Tools, die ein Shopify-Shop tatsächlich betreibt, auf der Integration eines Anbieters sitzen. Unterstützt das Gerät kein RCS, gibt die Plattform einen 404 zurück und der Absender muss auf SMS zurückfallen. RCS allein betreibt niemand.

Was darf dein Agent tatsächlich senden?

Jeder Agent trägt einen deklarierten Use Case, und der Use Case bestimmt die Regeln. Google dokumentiert vier, mit Verfügbarkeit und Business Rules, die je Land variieren (Google, Agent use cases and business rules, abgerufen am 3. November 2026):

  • OTP — nur Einmalpasswörter und 2FA. Keine Produktinfos, keine Angebote.
  • Transactional — Bestellbestätigungen, Versandupdates, Konto- und Produktinformationen, Feedback-Anfragen. Keine Angebote, Rabatte oder Upgrades.
  • Promotional — Werbung und Marketing, inklusive Warenkorbabbruch-Follow-ups. Kein OTP, keine zeitkritischen Transaktionsinfos.
  • Multi-use — transaktional und werblich in einem Gespräch, etwa Versandhinweis plus passendes Angebot. Weiterhin kein OTP und keine Passwort-Resets.

Für einen Shop ist das die ganze Entscheidung. Bestellupdates und Kampagnen auf einem Agent bedeutet Multi-use. Dafür gibt es ein Zugeständnis: Google führt Deutschland unter den Ländern, in denen ein Multi-use-Agent mit nur einem aktiven Use Case starten darf — du schuldest dem Support dann aber binnen sechs Monaten nach Launch den Nachweis des zweiten Use Case, mit drei Monaten Verlängerung, wenn du sie innerhalb der Frist beantragst. Verstreicht die letzte Frist, wird der Agent auf Single-use zurückgestuft (gleiche Quelle).

Was bringt eine Rich Card gegenüber einer SMS?

Vor allem das Format. Eine Rich Card kombiniert Medien, Titel, Beschreibung und antippbare Vorschläge in einer Nachricht, und die Grenzen sind konkret (Google, Rich cards, abgerufen am 3. November 2026):

  • Titel bis 200 Zeichen, Beschreibung bis 2.000. Emoji und Multibyte-Zeichen zählen als 2–4 Zeichen.
  • Bis zu vier Suggested Replies oder Actions auf der Karte, dazu bis zu elf Vorschlags-Chips darunter.
  • Bilder, GIFs und Video in drei Medienhöhen: 112, 168 oder 264 dichteunabhängige Pixel.
  • Karussells mit bis zu zehn vertikalen Karten, maximale Rich-Card-Payload 250 KB.

Der Vorbehalt steht in derselben Dokumentation und gehört gelesen, bevor jemand ein Karussell entwirft: Rich-Card-Unterstützung hängt von den Gerätefähigkeiten ab, die Darstellung von Bildschirmgröße und Auflösung, und Google verlangt von Partnern Capability-Checks gegen die Zielgruppe plus Tests auf echten Geräten. Überlaufende Inhalte werden in fester Reihenfolge gekürzt — erst Beschreibung, dann Titel, dann fallen die Vorschläge ganz weg. Eine Karte, die im Mockup gut aussieht, ist kein Beleg dafür, dass sie auf einem fünf Jahre alten Android gut aussieht.

Wie lange dauert die Freigabe eines Agents?

Zwei Dinge müssen passieren, in fester Reihenfolge. Die Brand-Verifizierung reichst du einmal pro Agent ein, vor dem ersten Launch-Antrag: Eine bevollmächtigte Person bei der Marke bestätigt die Agent-Angaben und dein Recht, ihn zu verwalten. Google ist deutlich, dass dafür die E-Mail einer einzelnen Person nötig ist und kein Verteiler, weil die Marke auf eine verpflichtende Autorisierungsanfrage antworten muss. Zusätzlich kannst du Belege wie Vollmachten hochladen — PDF, maximal 50 MB, bis zu fünf Dateien (Google, Brand verification, abgerufen am 3. November 2026). Ist das durch, zeigt Google Messages ein Verifizierungshäkchen neben dem Agent-Namen.

Dann folgt die Launch-Freigabe. Google-gemanagte Launches dauern 1–3 Werktage — vorausgesetzt, die Brand-Freigabe kommt binnen 24 Stunden, und Website, Datenschutzerklärung und AGB sind erreichbar, dazu entweder ein Preview-Video oder Schritt-für-Schritt-Transkripte von Trigger, Interaktion und Opt-out (Google, Launch approval, abgerufen am 3. November 2026). Carrier-gemanagte Netze fahren ihren eigenen Prozess, und die Dokumentation ist unmissverständlich: Diese Netzbetreiber lehnen deinen Launch ab, wenn kein Vertrag mit ihnen besteht.

Ein funktionierender STOP-Flow ist Voraussetzung, kein Extra — der Agent muss STOP und die Entsprechungen in jeder bedienten Sprache verstehen, und nach der Bestätigung darf nichts mehr rausgehen, bis die Person sich erneut anmeldet. Wer WhatsApp betreibt, kennt das Gespräch: was bei einem STOPP passiert gilt fast unverändert. Ein Punkt fürs Radar: Google hält fest, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein gültiges Token einer anerkannten Verification Authority nötig sein wird, um auf bestimmten Netzen zu starten, und dass Clients Tokens irgendwann direkt prüfen. Ein Termin ist nicht angekündigt — also eine anstehende, keine aktuelle Anforderung.

Wo steht RCS neben WhatsApp und E-Mail?

Zuerst die klare Ansage: Keaz sendet kein RCS. Wir betreiben WhatsApp auf Shopify, und nichts in diesem Artikel ist eine Produktankündigung. Was folgt, ist die Überlegung, die wir dir bei einem Kaffee mitgeben würden.

RCS und WhatsApp lösen dasselbe Problem von entgegengesetzten Enden. RCS landet in der Standard-Nachrichten-App, die Reichweite hängt also an Gerät und Netzbetreiber — an einem Zustellweg, den du nicht kontrollierst. WhatsApp landet in einer App, die die Kundin selbst installiert hat, die Reichweite hängt also an deiner Kontaktbasis — und die kannst du messen, ausbauen und noch in diesem Quartal bewegen. Für einen DACH-Shop ist das die Zahl, an der du drehen kannst. Die Audience-Übersicht zeigt, wo Erreichbarkeit pro Kontakt festgehalten wird.

Übertragbar ist die Einwilligung. Kanal egal, die Regel bleibt: ausdrückliches, dokumentiertes Opt-in und ein Ausgang, der so günstig ist wie der Eingang war. Wie Opt-in-Level An- und Abmeldung steuern ist der Mechanismus auf unserer Seite; das Prinzip gilt kanalübergreifend. Und nichts davon ersetzt E-Mail. Messaging ergänzt sie — kurz, zeitnah, nah an der Transaktion — während E-Mail die langen Formate behält. Wenn du die drei Kanäle direkt verglichen willst, macht unser Vergleich RCS vs. SMS vs. WhatsApp genau das.

Häufige Fehler

  • Den Bau einplanen und die Prüfung vergessen. Der Agent sind ein paar Tage Arbeit; die Freigabe ist die Abhängigkeit mit anderen Menschen darin.
  • Transactional deklarieren und dann einen Rabatt senden. Der Use Case ist eine Zusage, kein Etikett — die Prüfung gleicht deine Transkripte damit ab.
  • Das Single-use-Zugeständnis bei Multi-use nutzen und die Sechs-Monats-Frist vergessen. Die Rückstufung passiert automatisch, wenn der Nachweis ausbleibt.
  • Ein Sammelpostfach als Brand-Kontakt eintragen. Google will eine einzelne Person, und im Verteiler stirbt die Autorisierungsmail.
  • Karussells gegen ein einziges Testgerät entwerfen. Die Darstellung hängt an den Gerätefähigkeiten — Capability-Check vor dem Design, nicht danach.
  • RCS als Ersatz statt als Ergänzung planen. Der Pfad über 404 und Rückfall auf SMS gehört vom ersten Tag an ins Design.

RCS for Business ist ein echter Kanal mit einem echten Türsteher. Leg den Use Case vor allem anderen fest, benenne den Brand-Kontakt als konkrete Person, und behandle die Netzbetreiberliste als Beschaffungsfrage, nicht als Konfiguration. Alles Weitere — Karten, Karussells, Vorschläge — ist Formatierung, an der du nach dem Launch feilen kannst.

Bis dahin ist der Kanal, an dem du dieses Quartal arbeiten kannst, der, den deine Kundinnen schon installiert haben. Sieh dir an, was WhatsApp für deinen Shop wert wäre — und miss jeden zweiten Kanal an dieser Zahl statt am Prospekt.

Häufige Fragen

Kann sich ein Shopify-Shop direkt für RCS for Business anmelden?
Nein. Der Zugang läuft über registrierte Partner, und Google steuert den Partnerzugang über ein Interessenformular. Ein Shop erreicht RCS über einen Anbieter — genauso wie die WhatsApp Business Platform.
Welchen Use Case sollte ein Shop deklarieren?
Wenn Bestellupdates und Kampagnen auf denselben Agent sollen: Multi-use. Transactional allein darf keine Angebote tragen, Promotional allein keine zeitkritischen Bestellinfos — einen davon zu wählen und das andere zu senden ist der häufigste Grund, warum eine Prüfung schiefgeht.
Wie lange dauert die Launch-Freigabe?
Google dokumentiert 1–3 Werktage für Google-gemanagte Launches, sofern die Brand-Freigabe binnen 24 Stunden kommt und Website, Datenschutzerklärung, AGB und Flow-Beschreibungen vorliegen. Carrier-gemanagte Netze setzen eigene Fristen und können einen direkten Vertrag verlangen (Google, Launch approval, abgerufen am 3. November 2026).
Ersetzt RCS WhatsApp für einen DACH-Shop?
Heute nicht, und nicht als direkter Tausch. RCS-Reichweite hängt an Gerät und Netzbetreiber, WhatsApp-Reichweite an deiner eingewilligten Kontaktbasis — und das ist die Zahl, die du dieses Quartal wirklich vergrößern kannst. Die meisten Shops betreiben RCS parallel, mit SMS als dokumentiertem Rückfall.
Brauche ich für den Launch ein Verification Token?
Noch nicht flächendeckend. Google hält fest, dass auf bestimmten Netzen später ein gültiges Token einer anerkannten Verification Authority nötig sein wird und Clients Tokens irgendwann direkt prüfen — ein Termin ist aber nicht angekündigt (Google, Brand verification, abgerufen am 3. November 2026).
Nils Spölgen

Nils Spölgen

Founder bei Keaz. Serial Founder im Chat-Marketing — hat aus einer lokalen Agency Keaz gemacht, die WhatsApp-Marketing-Plattform für Shopify. MVP bootstrapped, Funding geholt und auf 200+ Merchants in DACH skaliert. Schreibt über Flows, Opt-in & DSGVO, Klaviyo und realistische Umsatz-Benchmarks — und rechnet lieber konservativ als beeindruckend. Profil ansehen

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